Privatsphäre ist kein Luxus. Sie ist dein Recht.

Was viele werbefinanzierte Apps im Hintergrund mit deinen Daten machen, was Begriffe wie Werbe-ID und Datenhändler bedeuten – und warum du bei meinen Apps nichts davon im Hinterkopf behalten musst.

Illustration: Ein Smartphone ruht geschützt in einer schimmernden Glaskugel. Persönliche Symbole wie Herz, Notiz, Foto, Kalender und Standort bleiben bei ihm, während feine Datenlinien draußen verblassen.

Du lädst eine kostenlose Wetter-App, ein kleines Spiel für zwischendurch, einen praktischen Rezeptplaner. Ein paar Tage später siehst du auf einer ganz anderen Website Werbung, die erstaunlich gut zu dir passt. Zufall? Manchmal. Oft steckt dahinter ein System, das du nie bewusst eingeschaltet hast.

In diesem Artikel zeige ich dir ganz in Ruhe, wie dieses System funktioniert, was Begriffe wie Werbe-ID oder Datenhändler bedeuten – und wie ich es mit meinen Apps anders mache. Nicht, um dir Angst zu machen. Sondern damit du weißt, worauf du achten kannst. Und damit du bei meinen Apps einfach durchatmen darfst.

Warum „kostenlos“ manchmal trotzdem etwas kostet

Viele Apps und Dienste großer Tech-Konzerne finanzieren sich über Werbung. Werbung bringt umso mehr, je genauer sie zu dir passt – und dafür braucht es Daten: was du anschaust, wo du dich aufhältst, wofür du dich interessierst. Deshalb erfassen viele werbefinanzierte Apps mehr, als sie für ihre eigentliche Aufgabe bräuchten. Oft passiert das über eingebaute Bausteine anderer Firmen, von denen du in der App selbst nichts siehst.

Apple beschreibt dieses Tracking so: Informationen aus einer App, die dich oder dein Gerät identifizieren, werden mit Informationen aus Apps, Websites und anderen Quellen von Drittanbietern verknüpft – um dir personalisierte Werbung zu zeigen oder deren Wirkung zu messen. Oder die Informationen werden mit Datenbrokern geteilt.1

Die wichtigsten Begriffe, kurz erklärt

Tracking
Das Verfolgen deiner Aktivitäten über Apps und Websites verschiedener Unternehmen hinweg – meist, um dir gezielt Werbung zu zeigen oder Werbung zu messen.1
Werbe-ID (IDFA)
Eine Kennung für Werbezwecke auf deinem iPhone, mit der dich Werbenetzwerke app-übergreifend wiedererkennen können. Lehnst du Tracking ab, kann eine App nicht auf sie zugreifen.1
Tracking-SDK
Ein fertiger Code-Baustein einer anderen Firma, den Entwickler in ihre App einbauen, etwa für Statistiken oder Werbung. Er läuft unsichtbar mit und kann Daten an die Server dieser Firma senden.
Profil
Aus vielen kleinen Datenpunkten entsteht ein Bild von dir: Interessen, Gewohnheiten, Aufenthaltsorte. Die DSGVO nennt das automatisierte Bewerten oder Vorhersagen solcher persönlichen Aspekte „Profiling“.2
Datenhändler
Firmen, die Informationen über Menschen aus vielen Quellen sammeln, kombinieren und weitergeben – meist ohne direkten Kontakt zu diesen Menschen. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC stellte fest, dass das weitgehend ohne das Wissen der Betroffenen geschieht.3

Ein Tag mit dir – aus Sicht eines Trackers

Stell dir einen ganz normalen Dienstag vor. Du merkst nichts davon, aber im Hintergrund schreibt jemand mit. Nicht jede App macht das, und nicht immer läuft es genau so. Aber so kann es ablaufen:

Typisches Szenario · vereinfacht · keine bestimmte App oder Firma

  1. Die Wetter-App am Morgen. Du hast ihr den Standort erlaubt, damit sie das Wetter vor deiner Tür zeigt. Ein eingebauter Werbe-Baustein meldet mit: Gerät mit der Werbe-ID 3F9A… ist um 7:10 Uhr an diesem Ort. Um diese Uhrzeit – vermutlich dein Zuhause.
  2. In der Bahn. Du öffnest kurz eine Nachrichten-App. Neuer Ort, dieselbe Kennung. Ein Muster beginnt: vermutlich dein Arbeitsweg.
  3. Mittagspause. In einer Shopping-App schaust du dir Laufschuhe an. Notiert wird: Interesse „Laufen“ – wieder mit derselben Werbe-ID.
  4. Feierabend. In einem kostenlosen Spiel erscheint Werbung. Für genau diese Laufschuhe. Zwei Apps, die nichts miteinander zu tun haben – verbunden über eine einzige Kennung.
  5. Noch kurz lesen. Du suchst nach Tipps gegen Rückenschmerzen. Uhrzeit und Thema wandern in denselben Datensatz.

Was nach einem einzigen Tag entstehen kann

  • Wohnt vermutlich hier, arbeitet vermutlich dort
  • Pendelt werktags gegen 8 Uhr mit der Bahn
  • Interessen: Laufen, Sport
  • Geht spät schlafen
  • Mögliches Gesundheitsthema: Rücken

Kein einzelner Schritt wirkt dramatisch. Zusammen ergeben sie ein ziemlich genaues Bild von dir. Und das ist erst ein Tag. Stiftung Warentest erklärt: Kommen zur Werbe-ID etwa Standortdaten hinzu, ist es möglich, die Menschen hinter der Nummer zu identifizieren. Dann landen in Datenbanken zum Beispiel Informationen darüber, wo eine Person wann war oder was sie wo gekauft hat.4

Wie Tracking über Apps hinweg funktioniert

1 · SDKs

Fertige Code-Bausteine anderer Firmen, etwa für Werbung oder Statistiken, laufen in vielen Apps mit. Apple verlangt deshalb, dass Entwickler in den Datenschutzangaben auch die Praktiken der Drittanbieter angeben, deren Code sie einbauen.5

2 · Die Werbe-ID

Eine Kennung für Werbezwecke auf deinem iPhone. Weil sie in jeder App gleich ist, lassen sich darüber Ereignisse aus ganz verschiedenen Apps einem Gerät zuordnen.4 Lehnst du Tracking ab, bekommt eine App sie nicht.1

3 · Fingerprinting

Der Versuch, ein Gerät ohne Werbe-ID wiederzuerkennen – aus Merkmalen wie Gerät, Einstellungen und Konfiguration. Apple verbietet App-Entwicklern ausdrücklich, Daten zu diesem Zweck von einem Gerät abzuleiten.6

4 · Datenhändler

Sie führen Online- und Offline-Daten aus vielen Quellen zusammen, und Daten wandern oft durch mehrere Datenhändler, die untereinander teilen.3

Was ein Profil verraten kann

Aus solchen Daten ziehen Datenhändler Rückschlüsse über Menschen – laut der US-Verbraucherschutzbehörde FTC auch sensible, etwa zu Einkommen, Religion, politischer Einstellung, Alter oder Gesundheit.3 Aus Standortdaten zusammen mit der Werbe-ID können Datenhändler individuelle Bewegungsprofile erstellen, warnt die Landesbeauftragte für Datenschutz in NRW.7 Die damalige FTC-Vorsitzende brachte es 2014 auf den Punkt: Datenhändler wissen oft so viel über uns wie unsere Familie und Freunde – oder sogar mehr.3

Und jetzt die gute Nachricht.

Leg dieses Szenario neben meine Apps – und es bleibt nichts davon übrig. Meine Apps fragen keine Werbe-ID ab. Kein Analyse-, Attributions- oder Tracking-SDK von Drittanbietern schreibt mit. Keine Werbung, die dich am Abend wiederfindet. Und deine Inhalte verkaufe ich nicht und gebe sie nicht weiter. Was du in GemDot, Kassio, Prismday oder iFocus Plus einträgst, bleibt bei dir.

Wie es oft läuft – und wie ich es mache

Illustration in zwei Hälften: Links strömen viele feine Datenlinien aus einem Smartphone in alle Richtungen davon. Rechts ruht dasselbe Smartphone geschützt unter einer gläsernen Kuppel, persönliche Symbole wie Herz, Notiz, Foto und Kalender bleiben direkt bei ihm.
Links: Daten, die in alle Richtungen abfließen. Rechts: Daten, die bei dir bleiben.
Tracking
Deine Aktivität wird über Apps und Websites hinweg verfolgt und zu einem Bild von dir zusammengesetzt.
Kein Tracking. Meine Apps fragen keine Werbe-ID ab – deshalb siehst du bei ihnen auch keinen „App-Tracking“-Dialog.
Werbung
Personalisierte Anzeigen, berechnet aus deinem Verhalten.
Keine Werbung. Keine Banner, keine Videos, keine „gesponserten“ Inhalte, keine Werbenetzwerke.
SDKs
Analyse- und Werbe-Bausteine anderer Firmen senden im Hintergrund Daten an deren Server.
Keine Fremd-SDKs. Ich baue keine Analyse-, Attributions- oder Tracking-SDKs von Drittanbietern ein.
Weitergabe
Daten werden mit Partnern geteilt oder landen bei Datenhändlern.
Kein Datenverkauf. Deine Inhalte sind kein Geschäftsmodell. Ich verkaufe sie nicht und gebe sie nicht weiter.
Speicherort
Deine Inhalte liegen auf den Servern des Anbieters, oft mit Pflichtkonto.
Bei dir. Gespeichert wird lokal auf deinem Gerät oder – wenn du es aktivierst – in deinem privaten iCloud-Speicher. Ein Konto bei mir brauchst du nicht.
Design
Endloses Scrollen und kleine Tricks, die dich möglichst lange halten sollen.
Keine Dark Patterns. Keine künstliche Dringlichkeit und keine Tricks, die dich länger in der App halten sollen, als du willst.

Was das für dich bei meinen Apps bedeutet

Bei GemDot, Kassio, Prismday und iFocus Plus darfst du das alles getrost vergessen. Deine Gewohnheiten, deine Ausgaben, deine Stimmungen, deine Aufgaben und Notizen sind deine Sache – nicht mein Geschäftsmodell.

  • Kein Tracking-Dialog, weil es nichts zu fragen gibt. Meine Apps fragen die Werbe-ID gar nicht erst ab.
  • Nichts läuft heimlich mit. Keine Werbenetzwerke, keine Analyse- oder Tracking-SDKs von Drittanbietern.
  • Deine Daten bleiben bei dir. Auf deinem Gerät oder, wenn du es möchtest, in deinem privaten iCloud-Speicher.
  • Offline zuerst. Meine Apps sind dafür gebaut, ohne Internet zu funktionieren. Synchronisation ist eine Option, keine Voraussetzung.
  • Kein Konto nötig. Keine E-Mail-Adresse, keine Registrierung.

Ganz offen gesagt

  • Downloads und Käufe laufen über Apple. Dabei verarbeitet Apple Daten nach eigenen Bestimmungen.
  • Absturzberichte erhalte ich, wenn überhaupt, nur anonymisiert über Apple – und nur, wenn du der Weitergabe von Analysedaten in den iOS-Einstellungen zugestimmt hast.
  • Kassio kann auf Wunsch das Icon einer Website laden, die du bei einem Abo einträgst. Das passiert direkt bei dieser Website, ohne Cookies. Wie bei jedem Website-Aufruf sieht sie dabei technisch deine IP-Adresse.
  • Maßgeblich für jede App sind ihre Datenschutz-Angaben im App Store und ihre Datenschutzerklärung. Dort steht alles im Detail.

Fünf Minuten für mehr Privatsphäre auf deinem iPhone

💡 Meine Tipps – für alle Apps auf deinem iPhone:

  1. Tracking-Anfragen abschalten. Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Tracking › „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ deaktivieren. Jede App, die dann fragt, wird so behandelt, als hättest du „App-Tracking ablehnen“ gewählt.1
  2. Vor dem Laden kurz nachsehen. Auf jeder App-Seite im App Store zeigt der Abschnitt „App-Datenschutz“, welche Daten eine App erfasst – etwa „Für Tracking verwendete Daten“ oder „Mit dir verknüpfte Daten“.8
  3. Standort nur, wenn es nötig ist. Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Ortungsdienste: Wähle pro App „Nie“, „Nächstes Mal oder beim Teilen fragen“ oder „Beim Verwenden der App“. Schalte „Genauer Standort“ aus, wenn ein ungefährer Ort reicht.9
  4. Fotos gezielt freigeben. Unter Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Fotos legst du pro App fest, ob sie alle Fotos, nur ausgewählte oder gar keine sehen darf.
  5. App-Datenschutzbericht einschalten. Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › App-Datenschutzbericht › „App-Datenschutzbericht aktivieren“. Danach siehst du, wann Apps zum Beispiel auf Standort, Kamera oder Mikrofon zugreifen und welche Domains sie kontaktieren.10

Je nach iOS-Version können die Bezeichnungen leicht abweichen.

Jeder hat ein Recht auf Privatsphäre

Privatsphäre ist kein Extra für Menschen, „die etwas zu verbergen haben“. Sie ist ein Menschenrecht. In Artikel 12 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es: „Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben […] ausgesetzt werden.“11 Auch die DSGVO schützt ausdrücklich dein Recht auf Schutz deiner personenbezogenen Daten.12 Und wenn ein Unternehmen deine Daten für Direktwerbung nutzt, kannst du dem jederzeit widersprechen.13

Ich baue meine Apps so, wie ich sie selbst nutzen möchte: ruhig, hilfreich und ohne Hintergedanken. Du sollst sie öffnen, das erledigen, wofür du gekommen bist, und dein iPhone dann mit einem guten Gefühl weglegen. Deine Pläne, Gewohnheiten und Gedanken gehen niemanden etwas an. So einfach ist das.

Hast du Fragen zu deinen Daten in einer meiner Apps? Schreib mir einfach an [email protected].

Quellen

  1. Apple Support: Wenn eine App deine Aktivitäten verfolgen möchte
  2. DSGVO, Art. 4 Nr. 4: Begriffsbestimmungen – „Profiling“
  3. US Federal Trade Commission (2014, englisch): FTC Recommends Congress Require the Data Broker Industry to be More Transparent and Give Consumers Greater Control Over Their Personal Information
  4. Stiftung Warentest: Werbe-ID im Smartphone abschalten
  5. Apple Developer (englisch): App Privacy Details
  6. Apple Developer (englisch): User Privacy and Data Use
  7. Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW: Standortdaten
  8. Apple Support: Datenschutzinformationen im App Store und Optionen zur Datenregulierung
  9. Apple Support: GPS und Ortungsdienste auf dem iPhone, iPad oder iPod touch ein- und ausschalten
  10. Apple Support: Über den App-Datenschutzbericht
  11. Vereinte Nationen (UNRIC): Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 12
  12. DSGVO, Art. 1: Gegenstand und Ziele
  13. DSGVO, Art. 21: Widerspruchsrecht

Apps, die dich in Ruhe lassen.

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